Graffitibox Summer Jam 2009 Interview
1. August, 2009
Am 8. August beginnt die 4. Graffitibox HipHop Jam. Am 19.08.2006 fing das ganze mit der 5 Jahre Graffitibox Party an, das es nun zum 4. Male einen Hip Hop Tag in Berlin gebe, haben sich vermutlich nicht mal die Veranstalter gedacht. Doch mit zunehmenden Publikum in den Jahren und immer namenhafteren Acts wurde es der ehemaligen Geburtstagsparty eine ansehnliche Hip Hop Jam, die dieses Jahr ihren Headliner in niemanden geringeres als den Patrioten Harris findet. Eine Woche vor dem großen Event haben wir nun die Veranstalter im Interview…
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Moin Moin erstmal, kommen wir gleich zum Thema – 4 Jahre Graffitibox Hip Hop Jam. Hättet ihr vor 3 Jahren daran gedacht, dass ihr eine 4. Jam erlebt oder dachtet ihr damals es wäre ein einmaliges Event?
Die Motivation für dieses Event war natürlich eine reine „Graffitibox-Geburtstagsparty” und dabei auch noch was für die Szene zu tun. Eigentlich hatten wir die erste Jam nur als kleine Party angedacht, aber in der Planung ist es dann zu einer Jam gewachsen.
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Das Ganze steht ja auch unter dem Motto „Hip Hop ist mehr als Gangsterrap” – Seht ihr es also als notwendig an – Deutschland „aufzuklären”?
Unser Motto ist „Aus Liebe zur Kultur”, aber was du da angesprochen hast, spielt da definitiv mit rein. Wir haben in unserem Line Up eine Vielzahl an „Strassenrappern” oder auch welche, die sich als „Gangsterrapper” titulieren. Aber uns geht es vor allem darum Hip Hop aus einer anderen Perspektive, als die die von den Medien aufgezeigt wird. Wir haben kein Problem mit „Gangsterrap”, aber das macht nur einen kleinen Teil der gesamten Hip Hop Bewegung aus und wir möchten mit der Veranstaltung das gesamte Spektrum in den Fokus rücken.
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Für diese „Mission” habt ihr euch dieses Jahr mit Harris jemanden als Headliner geholt, der das ganze wohl am Besten wiederspiegelt, da er auch versucht deutschsprachigen Hip Hop in die Clubs zu bringen. Aber meine Ansicht ist dabei, alle können deutschen Hip Hop feiern, aber keiner kann zu deutschen Hip Hop feiern. Wie seht ihr das?
Hmmm…schwierige Frage! Also die einzigen deutschen Hip Hop Artists, die ich mal im Club gehört habe, sind Jonesmann, Harris und Sido. Ich kann auch nur mutmaßen, womit das zusammen hängt. Meiner Meinung nach ist „Deutscher Hip Hop” schon seit Jahren in der Krise. Es gibt zwar eine Überflut an „Rappern”, aber keiner von denen macht wirkliche „Club-Hits”. Hinzu kommt, dass man in Deutschland grundsätzlich nicht auf deutschsprachige Musik feiert. In Frankreich unterliegen schon die Radiosender ganz anderen Vorraussetzungen, wodurch sie gezwungen sind einen größeren Anteil französischer Musik zu spielen. Dadurch wird natürlich auch der französische Hip Hop krass gepusht.
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Ihr habt ja nicht nur MCs vor Ort, sondern die komplette Bandbreite des Hip Hops. Writer, Breaker und auch DJs. Inwiefern seht ihr es als wichtig an, das auf einem Hip Hop Festival auch alle 4 Säulen vor Ort sind?
Wir dürften uns schon mal nicht „Jam” nennen, wenn wir diese Elemente nicht hätten. Viele Veranstalter nehmen das zwar nicht so genau, aber uns ist das sehr wichtig. Wir wollen einfach alle Leute wieder zusammen bringen. Jeder ist nur in seinem Lager aktiv und unterwegs und dadurch ist die Szene sehr gespalten. Aber diese Jam erinnert mich an meinen eigenen ersten Kontakt mit Hip Hop und es gibt in Deutschland definitiv zu wenig wirkliche Jams!!!
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Ihr hattet letztes Jahr 3200 Besucher, das waren 500 mehr als im Vorjahr. Wenn ihr soweiter macht, seid Ihr in 8 Jahren das größte deutsche Hip Hop Festival. Ein Ansporn so weiter zu machen? Und vor allem wie seht ihr die Entwicklung des bisherigen größten Deutschen Hip Hop Festivals dem splash!-Festival? Was haltet ihr davon ,das immer mehr Elektro Acts gebucht worden sind?
Wäre toll, wenn ich jetzt wüßte, dass wir jedes Jahr 500 Gäste mehr bekommen, aber leider kann man das nicht so pauschal sagen. Der Faktor Wetter ist einfach unberechenbar. Wir haben uns in den letzten 4 Jahren hoch gekämpft und mußten auch viel opfern, damit diese Veranstaltung so groß wird und unsere Motivation ist auch nicht „Geld verdienen”. Die Graffitibo Summer Jam ist im Grunde ein Hobby, dass ich betreibe, wenn meine wirkliche Arbeit getan ist. Aber die Jam ist immer abhängig von dem Erfolg des Vorjahres, da in dieser Veranstaltung die eigenen privaten Gelder stecken.
Unser Ziel ist es nicht das größte Hip Hop Festival zu werden, aber wir stehen schon vor der Frage, wie es im nächsten Jahr weiter geht. Bleiben wir in den Dimensionen, wo wir gerade sind oder wollen wir weiter wachsen? Wachstum bedeutet immer mehr Arbeit, mehr Geld und mehr Zeit investieren, aber wir sind im Grunde schon in allen Bereichen am Maximum. Wir sind eben nur zu dritt und fähige, vertrauensvolle, engagierte Leute zu finden, ist verdammt schwer. Außerdem soll die Veranstaltung auch authentisch bleiben und kein „Mainstream-Open-Air” werden. Womit wir beim Thema „Splash” wären. Ich finde es schade, dass das Splash auf dieser Elektro-Welle mit schwimmen will und sich einfach an diesem Trend orientiert. Ich persönlich kann mich damit überhaupt nicht identifizieren.
Aber man darf nicht vergessen, dass das Splash einfach mal eine ganz andere Größenordnung ist und dementsprechend geht es dort um mehr Gäste, Kohle, etc. Je höher du steigst, umso tiefer kannst du fallen. Ich weiß nicht, ob ich das will.
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Ihr habt bisher eure Jam immer nur an einem Tag veranstaltet. Aber eure Jam wächst auch Jahr für Jahr. Wann kommt der Schritt hin zum Festival und einer mehrtägigen Veranstaltung? Und wäre dies auf der jetzigen Location überhaupt möglich?
Ich hab es ja in der Frage vorher schon angesprochen. Umso größer eine Veranstaltung wird, desto teurer wird das Ding. Dementsprechend braucht man mehr Gäste für den Breakeven und dadurch steigt auch wieder das Risiko. Wir gehen dieses Jahr an unsere absoluten Kapazitäten und noch über die Schmerzgrenze hinaus. Der Erfolg von der Graffitibox 2010 wird die Richtung für das nächste Jahr vorgeben. Alles ist möglich!!
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Kommen wir nochmal auf die Acts zum Sprechen. Dieses Jahr sind Leute wie Harris, Grüne Medizin und Amewu dabei, also lokale Größen, oder auch Seyfu. Wie sieht eure Fahrtrichtung da aus? Wollt ihr eher lokale Acts oder wären auch Acts aus anderen deutschen Städten interessant?
Du hast Recht, unser Fokus liegt bei Acts aus Berlin. Natürlich liegt das daran, dass wir uns hier in der Szene bewegen und ein großes Netzwerk haben und auch unsere Jungs supporten wollen. Grundsätzlich schauen wir auch immer auf den Rest Deutschlands, aber wir müßen immer schauen, ob es aus unserer Perspektive Sinn macht. Die Graffitibox ist untergrund und dort trifft sich einmal im Jahr die Berliner Szene. In der Größenordnung in der wir uns bewegen, brauchen wir keine importierten Rapper, die hier meistens auch auf wenig Akzeptanz stoßen. Da sind wir wieder bei der Frage, wo es in den nächsten Jahren hingehen soll.
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Wenn natürlich man als Berliner Jam ein Line-Up hat, bei dem viele bekannte Berliner bei sind, dann fragt man sich – Warum fehlt ein so schön klingender Name wie Kool Savas? Er würde sicherlich eure Besucherzahl nochmal nach oben treiben, oder nicht?
Sicher würde Savas Leute ziehen und natürlich würden wir uns freuen, wenn er bei uns spielen würde. Aber erstens ist er für uns definitiv nicht bezahlbar und zweitens ist es schwer einzuschätzen, ob ein Savas vor Berliner Publikum auch eine gewisse Unruhe mit sich bringt.
Es wäre großartig, wenn wir in den nächsten Jahren ernsthaft über solche Namen nachdenken könnten, aber selbst wenn wir untergrund bleiben und unsere Gästezahlen nicht mehr steigen, ist diese Veranstaltung etwas ganz besonderes.
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Was mir auch aufgefallen ist, die letzten beiden Jahre war Damion Davis am Start. Der eher in Richtung Reggae geht. Warum dann dieses Jahr wieder der Schritt weg von Reggae + Hip Hop und mehr hin zum Hip Hop?
Ich glaube, dass wirkt nacht außen vielleicht so, aber in Wahrheit steckt kein tieferer Sinn dahinter. Wir haben Damion auch dieses Jahr gefragt, aber es hat leider nicht geklappt. Er war ja die letzten 2 Jahre dabei und hat ne wirklich coole Show gemacht und uns auch sehr unterstützt. Er feiert die Veranstaltung und ich hoffe mal, dass er im nächsten Jahr wieder dabei ist.
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Ihr bietet eurem Publikum ja neben den Live Acts auch ein riesiges Rahmenprogramm – Wie wichtig ist es für euch? Das die Leute nicht nur dauert vor der Bühne stehen, sondern auch andere Sachen sich anschauen können?
Unsere Gäste sollen bei uns den ganzen Tag verbringen können, ohne sich zu langweilen und dazu gehört ein umfangreiches Rahmenprogramm, aber natürlich ergibt sich dieses Angebot auch durch die Vielfalt der Hip Hop Kultur und ihre einzelnen Elemente. Außerdem kann sich niemand 12 Stunden am Stück irgendwelche Rapper reinziehn. Da gehste ja kaputt.
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In eurer Pressemitteilung hieß es, dass letztes Jahr auch viele Kinder mit ihren Eltern kamen. Ist es wichtig, Eltern Hip Hop näher zu bringen? Sprich wenn die Eltern nicht zum Hip Hop kommen, den Hip Hop zu den Eltern bringen? Damit Hip Hop auch bei älteren Menschen ein anderes Bild hinterlassen? Und vielleicht irgendwann eingesehen werden kann, das Graffiti auch Kunst ist und nicht nur Vandalismus? Das Rap nicht nur Gewalt und Drogen wiederspiegelt, sondern auch Musik ist?
Du hast es schon ganz gut auf den Punkt gebracht. Es geht darum auch über Hip Hop aufzuklären und aufzuzeigen, dass es eine Kulturbewegung ist und kein blöder Modetrend oder eine pubertäre Begleiterscheinung. Rap, Graffiti, Beatbox, DJing und Breakdance ist Kunst und muß als solche auch endlich anerkannt und respektiert werden.
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Zum Schluss natürlich mal die Frage – Was erwartet ihr von diesem Jahr? Und seid ihr schon in der Planung für nächstes Jahr?
Ich freu mich wieder Leute zu treffen, die ich zum letzten Mal genau vor einem Jahr gesehen habe. Wenn das Wetter mitspielt, wird das die beste Jam, die wir bis jetzt hatten und wenn das Wetter nicht mitmacht, dann auch!! Wir haben auf jeden Fall unsere Hausaufgaben gemacht und werden bis zur Jam auch nicht mehr viel Schlafen. Die Planung für das nächste Jahr hat noch Zeit, aber wir wollen natürlich noch dieses Jahr mit der Planung beginnen.
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Dann bedanke ich mich erstmal für dieses Interview und wir werden uns ja nochmal für ein Interview nach der Jam in Kontakt setzen.
Sehr gerne, ich habe zu danken. Wir sehen uns auf jeden Fall auf der Jam!!!
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